Dieser Oz

…oder was ist das und warum zur Hölle ist der so?

Viele kennen ihn. Doch nur wenige haben jemals erfahren, was in ihm wirklich vorgeht.

Es gibt zahlreiche Geschichten und Erzählungen, die sich um diesen ominösen Oz ranken. Manche handeln vom Kämpfer, andere vom Ehemann oder vom Lump, ja manche sogar vom Arschloch. Dann gibt es noch den Vater, den Selbstständigen und Therapeuten. Vor allem aber erzählen die Geschichten von jenem Mann, der sein Leben mit beeindruckender Konsequenz gleichzeitig ordnen und verkomplizieren konnte.

Die meisten dieser Geschichten sind sogar wahr.

Zumindest aus der Perspektive der Menschen, die sie erzählen.

Denn Menschen neigen dazu, andere auf jene Rolle zu reduzieren, in der sie ihnen begegnet sind. Für den einen war Oz stark, für den anderen schwierig. Manche hielten ihn für selbstbewusst, andere für empfindlich. Er galt als hilfsbereit und egoistisch, diszipliniert und sprunghaft, zuverlässig und rastlos – je nachdem, welchen Ausschnitt seines Lebens man gerade betrachtete.

Das Problem ist nicht, dass diese Geschichten falsch sind.

Sie sind nur häufig so eindimensional wie der Irrglaube ihrer Erzähler, ein Mensch ließe sich aus einer einzigen Erfahrung heraus vollständig erklären.

Wer also ist dieser Oz, wenn niemand gerade versucht, ihn in eine Schublade zu packen?

Was denkt der Mann, der andere oft besser verstand als sich selbst? Was verbirgt sich hinter seinen Entscheidungen, seinen Widersprüchen und all den Rollen, die er im Laufe seines Lebens so überzeugend spielte, dass er manchmal selbst vergaß, dass es Rollen waren?

Um das herauszufinden, muss man nicht nur betrachten, was Oz getan hat.

Man muss einen Blick hinter den Vorhang werfen.


Inhaltsverzeichnis

  • Alles in Allem - eigentlich ganz gut…

  • Wie viele Bedienungsanleitungen braucht ein Mensch?

  • Chaos und Ordnung in einer Person

  • Der heimliche Reparaturauftrag

  • Der ostdeutsche Mr. Nice Guy mit strengem Einlassverfahren

  • Der Perfektionist mit Hang zur Großbaustelle

  • Kritik ist willkommen - theoretisch…

  • Außerirdisch aber gesellschaftsfähig

  • Zauberhaft!


Alles in Allem - eigentlich ganz gut…

Wer Oz verstehen will, braucht vermutlich ein ganzes Forschungsteam.

Wer Oz kennenlernen möchte, braucht ein wenig Zeit den er könnte ein ganzes psycho-soziologisches Forschungsteam in den Wahnsinn treiben.

Nicht, weil er besonders geheimnisvoll wäre. Zumindest nicht absichtlich. Er gehört nur zu diesen Menschen, die auf die Frage „Wie geht es dir?“ entweder mit „Gut“ antworten oder mit einer vierzigminütigen Analyse darüber, wie frühkindliche Prägungen, gesellschaftliche Erwartungen und ein leicht überreiztes Nervensystem dazu geführt haben, dass er heute Morgen seine Kaffeetasse ungewöhnlich fest gehalten hat.

Dazwischen gibt es wenig. Smalltalk kannste knicken. Ich mein… Ja ok man kann schonmal übers Wetter reden bevor man natürlich zu den wichtigsten Fragen des Lebens kommt:

Warum ist das so wie das ist?

Ich meine Leute - wir müssen doch verstehen…

Oz möchte verstehen. Das macht ihn gelegentlich zu einem ausgesprochen anstrengenden Menschen.

Ob Diesseits oder Jenseits ihn interessiert alles was das Leben und der Tod zu bieten hat.

Ansonsten geht´s ihm gut.


Wie viele Bedienungsanleitungen braucht ein Mensch?

Manchmal braucht es viele Antworten, um die richtige Frage zu finden.

Was würdest du tun um dich selbst zu finden?

Ein Oz macht vierundzwanzig Persönlichkeitstests!

Er kennt sie alle!

Manche bezeichnen ihn als Advokat, die Astrologie krönt ihn zur doppelten Jungfrau und als ob das nicht reichen würde ergänzte er das Ganze noch ein wenig durch unterschiedlichste esoterische und nicht-esoterische Selbsttest.

So wurde ihm klar warum er manchmal ein unglaublicher Hornochse sein konnte. Das chinesische Tierkreiszeichen lässt sich leider nicht austreiben.

Zumindest macht ihn das indianische Tiertotem der Braunbär etwas kuschelig und trägt dazu bei das er sein Seelenwohl auch mal bei einem Sonnenuntergang finden kann.

Im indianischen Horoskop zum Braunbären was dafür spricht, dass er unglaublich gern alleine durch den Wald streift, sich Sonnenuntergänge ansieht und groß sowie kuschelig ist.

Das trendigere Astrologie-Konzept “Human Design” machte ihn zu einem opportunistischen Rollenvorbild, was zunächst verdächtig nach einem Menschen klingt, der anderen bei günstiger Gelegenheit ungefragt ein Vorbild sein möchte.

Hinzu kommt die Lebenszahl 34/7. Was bedeuten könnte, dass die 7 Tage der Woche des Oz 34 statt 24 Stunden haben.

Aber nein… Die Sieben galt letztendlich als Zahl der Suchenden, der Hinterfragenden und jener Menschen, die unbedingt wissen möchten, warum etwas so ist, wie es ist. Das überzeugte Oz!

Endlich mehrere vollkommen sinngebende Erklärung für sein Overthinking.


Chaos und Ordnung in einer Person

Oz muss nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen, das Chaos in der Gemeinschaft stört nicht selten seine innere Ordnung, die von Außen betrachtet ein absolutes Chaos sein könnte.

Was kaum jemand sofort erkennt: Hinter dieser ruhigen Oberfläche arbeitet ein inneres Analysezentrum im Dreischichtbetrieb.

Oz denkt über Gespräche nach, während sie stattfinden. Danach denkt er darüber nach, wie er während des Gesprächs gedacht hat. Später überprüft er, ob seine Interpretation möglicherweise durch frühere Erfahrungen beeinflusst war. Und wenn er damit fertig ist, fragt er sich, warum er eigentlich immer alles so zerdenken muss.

Er nennt das Selbstreflexion.

Sein Nervensystem nennt es Überstunden.

Oz zwischen Ordnung und Chaos als Symbol für Selbstreflexion, Overthinking und die Gegensätze in der Persönlichkeit.

Der heimliche Reparaturauftrag

Oz kann tote Menschen sehen – also Menschen, die innerlich ertrinken, sich selbst hassen oder ihren Untergang vorsichtshalber als Spaßveranstaltung tarnen.

Und weil Oz so etwas nur schwer mit ansehen kann, eröffnet er umgehend einen heimlichen Reparaturauftrag – unabhängig davon, ob der Betroffene einen erteilt hat oder überhaupt repariert werden möchte.

Schließlich erzählen ihm die Leute auch alles (Un-)Mögliche, und während sie noch sagen: „Ich wollte das eigentlich nur mal loswerden“, erstellt Oz bereits ein Konzept mit Ursache, Ziel, Lösungsweg und drei Übungen für zu Hause.

Das macht ihn zu einem verdammt guten Berater und Therapeuten – und gelegentlich zum selbst ernannten Hausmeister fremder Innenwelten.

Oz musste erst lernen, dass Verständnis nicht bedeutet, alles hinzunehmen. Dass Mitgefühl keine Verpflichtung zur Selbstaufgabe ist. Und dass man einen Menschen lieben kann, ohne die Verantwortung für dessen gesamte emotionale Innenausstattung zu übernehmen.

Diese Erkenntnis kam spät.

Dafür kam sie mehrfach.


Der ostdeutsche Mr. Nice Guy mit strengem Einlassverfahren

Oz hinter einem Hochsicherheitstor als Symbol für den Mr. Nice Guy, Vertrauen, gesunde Grenzen und zwischenmenschliche Beziehungen.

Dieser Oz war ein Strahlemann, der ostdeutsche Mr. Nice Guy: loyal, freundlich, verständnisvoll und stets bemüht, für alle Beteiligten eine optimale Lösung zu finden.

Ein menschlicher Vermittlungsausschuss mit guten Umgangsformen.

Die Tür stand immer sperr-angel-weit offen. Deshalb hatte Oz viele „Freunde“. Zumindest nannte man das damals so. Dass einige davon eher interessierte Wegbegleiter mit eingeschränktem Rückgaberecht waren, zeigte sich erst, als Oz selbst einmal völlig verloren ging und plötzlich niemand mehr wusste, wo man ihn abholen konnte.

Seitdem ist Oz bei Beziehungen etwas wählerischer geworden.


Der Perfektionist mit Hang zur Großbaustelle

Ja fuck er ist ein Nerd!

Wenn ihn etwas begeistert dann macht er ein richtiges Fass auf. Er Ideen, entwirft Konzepte und sieht innerhalb weniger Stunden ein ganzes Projekt vor sich, dass Start Up Charakter hat. Andere Menschen sehen einen ersten Schritt. Oz sieht bereits die Website, das Buch, den Podcast, die Vortragsreihe und eine mögliche internationale Erweiterung mit Franchise Konzept.

Seine Kreativität kennt keine Möglichkeiten. Grenzenloses Denken.

Sein Pflichtbewusstsein verwandelt alles in Aufgaben. Er könnte für alle Aufgaben sofort dreiundvierzig Mitarbeiter Vollzeit einstellen.

Doch er wuppt es alleine und fragt sich hin und wieder warum sein Leben so anstrengend ist.

Seine größte Stärke ist es sich selbst zuverlässig gegen die Wand zu fahren…

Sein Perfektionismus entstand dabei nicht aus der Überzeugung, vollkommen zu sein. Im Gegenteil. Oz hielt sich meist für ein unfertiges Modell, das leider schon vor Abschluss der Qualitätskontrolle ausgeliefert worden war.

Also optimierte er.

Er überarbeitete Texte, Pläne und Entscheidungen so lange, bis selbst der ursprüngliche Gedanke nicht mehr genau wusste, was eigentlich an ihm falsch gewesen war. Dahinter steckte die durchaus charmante Vorstellung, man könne Kritik vermeiden, wenn man einfach keinerlei Angriffsfläche hinterließ.

Keine Fehler, keine Kritik.

Keine Kritik, keine Ablehnung.

Keine Ablehnung, kein Schmerz.

Ein wasserdichtes Konzept.

Es hatte nur einen kleinen Konstruktionsfehler: Menschen finden immer etwas.

Und wenn nicht, erledigte Oz das vorsorglich selbst.

Kritik ist willkommen - theoretisch…

Oz mit skeptischem Blick als Symbol für Kritikfähigkeit, Selbstbild, Missverständnisse und menschliches Verhalten.

Wage es nicht einen Oz zu kritisieren… ich meine versteh mich nicht falsch. Er kann was ab… aber DAS?!?!?!

Das muss wirklich nicht sein.

Er kann keinen Fehler erkennen.

Wird Kritik ungefragt vom Außen zugestellt, prüft Oz zunächst Absender, Verpackung und emotionale Lieferbedingungen.

Besonders kompliziert wird es, wenn jemand nicht nur sein Verhalten kritisiert, sondern gleich seine Absicht mitreklamiert. Oz kann durchaus einräumen, dass etwas ungeschickt gelaufen ist. Dass er dabei lieblos, egoistisch oder manipulativ gewesen sein soll, hält er jedoch für eine unzulässige Erweiterung des Beschwerdegegenstandes.

Dann eröffnet er das Verteidigungsverfahren.

Eine wichtige Erkenntnis: Er sollte seine Kraft nicht in Menschen investieren, die ihn Böse sehen wollen, einfach drauf pfeifen und weitermachen.

Diese Erkenntnis hatte er selbstverständlich selbst.

Außerirdisch aber gesellschaftsfähig

Oz fühlt sich manchmal wie ein Außerirdischer. Oder wie der Ostjunge im Westkindergarten, der grundsätzlich mitspielen darf, aber vorher gern wüsste, nach welchen Regeln hier eigentlich „Mensch ärgere dich nicht“ gespielt wird.

Nicht wirklich außergewöhnlich im heldenhaften Sinne. Eher wie ein Puzzleteil, das eindeutig zu irgendeinem Bild gehört, aber seit Jahren in der falschen Schachtel liegt. Vermutlich zwischen Alpenpanorama und glücklicher Großfamilie – beides sieht auf der Verpackung harmonischer aus, als es in der Praxis ist.

Es sind die vielen Gegensätze, zwischen denen dieser Oz friedlich zu leben scheint.

Friedlich ist hier allerdings großzügig formuliert.

Meist handelt es sich eher um eine schlecht moderierte Wohngemeinschaft.

Dort lebt der zuverlässige Arbeiter mit dem freiheitsliebenden Abenteurer, der disziplinierte Kämpfer teilt sich das Bad mit dem empfindsamen Beobachter und der strukturierte Berater versucht verzweifelt, die spontanen Einfälle des verspielten Geschichtenerzählers in einen Kalender einzutragen.

Zauberhaft!

Der Zauberer Oz als Symbol für Lebensphilosophie, Polaritäten, Illusionen und die Suche nach dem Sinn des Lebens.

Dieser Oz. Auch wenn er zauberhaft ist und die Beobachtung des ominösen Vogels einem Dokumentarfilm über spektakuläre Naturkatastrophen gleicht, ist er doch kein Zauberer.

Doch hat er im Laufe seines Lebens prachtvolle Seifenblasen allein durch sein illusionäres Denken gestaltet die nach und nach geplatzt sind. Doch in jeder geplatzten Seifenblase steckte auch ein Sinn, eine zauberhafte Erkenntnis.

Genau das macht ihn zu einem weisen Mann.

Oz kann aus seinen Illusionen Erfahrungen machen und aus Erfahrungen Geschichten schreiben.

Er kann zurückblicken, die Gegensätze erkennen und irgendwann verstehen, dass die Wahrheit selten an einem der äußersten Pole wartet. Sie liegt meist irgendwo dazwischen – an jenem unscheinbaren Ort, den Oz regelmäßig übersieht, weil er gerade wieder mit großer Entschlossenheit in die andere Richtung marschiert.

Dieser Oz ist kein Held und auch kein Opfer.

Er ist ein Mann, der oft glaubte, endlich verstanden zu haben, wie das Leben funktioniert, kurz bevor das Leben beschloss, ihm eine weitere Lektion zu erteilen.

Manche fragen sich, wie ein Oz so durchs Leben kommt. Er macht ungefähr nichts so wie es andere tun.

Er denkt keinen Gedanken so wie ihn andere denken...

Er findet so viele Antworten das er zwischendrin die Frage vergisst.

Ja, vielleicht ist Oz also doch ein Zauberer. Zumindest wohnt ihm ein gewisser Zauber inne.

Am besten du liest einfach mal seine Geschichten und entscheidest dann selbst.

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5einhalb Leben